Erbrecht
Testament

Kodizill im Erbstreit: Vermächtnis oder Erbeinsetzung?

Beim Kodizill entscheidet der Inhalt. Ob jemand Erbe oder Vermächtnisnehmer ist, prägt Rechte, Pflichten und Verfahren.

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Mag. Bernhard Brandauer

Rechtsanwalt · BRANDAUER Rechtsanwälte, Salzburg

Erbrechtliche Mandate betreut Mag. Bernhard Brandauer gemeinsam mit einem eingespielten Team. Wir prüfen Testament, Pflichtteil, Schenkungen und Fristen und sagen Ihnen klar, wie Ihre Position ist.

19. Juli 2026 · Mag. Bernhard Brandauer, Rechtsanwalt · zuletzt aktualisiert 10. Juli 2026

Ein Kodizill kann eine bestehende letztwillige Regelung ergänzen, eine einzelne Zuwendung anordnen oder eine Frage der Erbfolge näher bestimmen. Im Erbstreit entscheidet deshalb nicht das Etikett der Urkunde, sondern ihr vollständiger Inhalt im Zusammenhang mit den übrigen Verfügungen.

Für die praktische Einordnung müssen Sie drei Fragen trennen: Wird eine Person am Nachlass oder an einer Quote beteiligt, erhält sie eine bestimmte Sache oder Leistung und wer soll diese Zuwendung erfüllen? Daraus ergeben sich unterschiedliche Nachweise und nächste Schritte.

Kodizill fachlich einordnen

Welche Frage sollte zuerst beantwortet werden?

Die kurze Einordnung führt vom Urkundentext zur passenden Prüfung von Erbenstellung, Vermächtnis und Umsetzung.

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01 Frage 1

Welche Frage zum Kodizill ist in Ihrem Fall offen?

Bei einem Kodizill müssen Urkundentext, Art der Zuwendung und Stellung der begünstigten Person getrennt geprüft werden.

Alle Pfade im Überblick

Übersicht aller Antworten.

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Kodizill und Testament in der richtigen Reihenfolge prüfen

Sichern Sie das Original des Kodizills, alle früheren oder späteren letztwilligen Verfügungen und die jeweiligen Errichtungsdaten. Erst der Vergleich des vollständigen Textes zeigt, ob ein Nachtrag eine Erbfolge regelt oder eine andere letztwillige Verfügung ergänzt.

Schwerpunkt Erbstreit →
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Erbenstellung und Vermächtnis getrennt einordnen

Ordnen Sie getrennt, ob das Kodizill eine Person am Nachlass oder an einer Quote beteiligt oder ihr eine bestimmte Sache beziehungsweise Leistung zuwendet. § 647 ABGB betrifft die Berufung zum Vermächtnisnehmer, die konkrete Zuordnung hängt aber vom gesamten Wortlaut und den weiteren Urkunden ab.

Schwerpunkt Verlassenschaft →
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Leistung und Auskunft an der richtigen Rolle ausrichten

Wenn die Umsetzung stockt, benennen Sie zuerst die konkrete Zuwendung, die verlangte Auskunft und den Adressaten. Ob ein Erbe, ein Vermächtnisschuldner oder ein anderer Verfahrensbeteiligter angesprochen werden muss, darf nicht aus einer verkürzten Bezeichnung des Kodizills abgeleitet werden.

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Was § 552 und § 647 ABGB für das Kodizill bedeuten

§ 552 ABGB beschreibt die letztwillige Verfügung und nennt neben der Regelung der Erbfolge auch Vermächtnisse, Auflagen und die Einsetzung von Testamentsvollstreckern. Ein Kodizill ist daher im Zusammenhang mit der konkreten Verfügung zu lesen.

§ 647 ABGB regelt die Berufung zum Vermächtnisnehmer. Ob eine Zuwendung als Vermächtnis oder als Erbeinsetzung einzuordnen ist, lässt sich nicht allein aus der Überschrift ableiten. Maßgeblich sind Wortlaut, Zusammenhang, zugewendeter Gegenstand oder Anteil und die Person, die eine Leistung erbringen soll.

Welche Urkunden die Einordnung des Kodizills tragen

Legen Sie das Kodizill im Original oder in der verlässlichsten vorhandenen Fassung neben alle Testamente und sonstigen letztwilligen Verfügungen. Notieren Sie Errichtungsdaten, spätere Ergänzungen, Widerrufe oder Widersprüche und markieren Sie die Stelle, aus der die Begünstigung abgeleitet wird.

Für die weitere Prüfung kommen der Verlassenschaftsakt, Schreiben des Gerichtskommissärs, Nachlassverzeichnis und Belege zum zugewendeten Gegenstand hinzu. Bei einer Geld- oder Sachzuwendung helfen außerdem Unterlagen zu Bestand, Wert und Besitz, damit die behauptete Leistung konkret bezeichnet werden kann.

Wie Sie Erbenstellung und Vermächtnis im Verfahren weiterverfolgen

Erstellen Sie zuerst eine kurze Zuordnung: Welche Person soll Erbe sein, welche Person erhält eine einzelne Sache oder Leistung und welche Textstelle des Kodizills trägt diese Annahme? Ergänzen Sie den aktuellen Stand des Verlassenschaftsverfahrens und die bereits abgegebenen Erklärungen.

Ein Schreiben sollte dann genau die gewünschte Klärung oder Leistung, die maßgebliche Urkunde und den passenden Adressaten nennen. So bleibt erkennbar, ob es um die Erbenstellung, die Auslegung einer Zuwendung, Auskunft oder die Erfüllung eines Vermächtnisses geht.

Praxispunkt: Beim Kodizill müssen Urkundentext, Erbfolge, einzelne Zuwendung und Verfahrensrolle gemeinsam gelesen werden. Eine Überschrift ersetzt diese Prüfung nicht.
Häufige Fragen

Kodizill im Erbstreit: Vermächtnis oder Erbeinsetzung?

Ist ein Kodizill automatisch ein Testament? +
Nicht allein wegen seiner Bezeichnung. § 552 ABGB unterscheidet die Verfügung über die Erbfolge von anderen letztwilligen Verfügungen, etwa Vermächtnissen oder Auflagen. Entscheidend ist, was die konkrete Urkunde im Zusammenhang mit den übrigen Verfügungen regelt.
Woran lässt sich ein Vermächtnis von einer Erbeinsetzung abgrenzen? +
Zu prüfen sind insbesondere die zugewendete Quote oder der konkrete Gegenstand, die Stellung der begünstigten Person und der weitere Wortlaut des Kodizills. Eine sichere Einordnung setzt die vollständige Urkunde und den Verfahrenszusammenhang voraus.
An wen muss ich mich wenden, wenn ein Vermächtnis nicht erfüllt wird? +
Zuerst muss geklärt werden, welche Leistung das Kodizill anordnet, wer als Vermächtnisschuldner in Betracht kommt und wie weit das Verlassenschaftsverfahren fortgeschritten ist. Erst danach lässt sich der richtige nächste Schritt sachgerecht formulieren.
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